Offener Brief an den Kultusminister zum weiteren Verfahren mit dem Abitur im Schuljahr 2019/20

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Piazolo,

als Mitte März die Schulen geschlossen wurden, sicherte man den bayerischen Abiturientinnen und Abiturienten zu, dass aus der aktuellen Situation keine Nachteile für sie entstehen. Diese versprochene Fairness sehen wir aufgrund der in Ihrem Haus beschlossenen Maßnahmen zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs und zur Durchführung der Abiturprüfungen als nicht gegeben an.

Stand heute (17. April), bleiben zwischen dem angepeilten Schulstart und dem vorgesehenen Notenschluss für das Halbjahr 12/2 nur drei Wochen, um die fehlenden Klausuren zu schreiben und den noch nachzuholenden Lernstoff aufzuarbeiten.

Schon allein bei den Klausuren ergeben sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen und sogar zwischen Schülerinnen und Schülern. So ist es mitunter möglich, dass manche Schülerinnen und Schüler noch mehrere Klausuren schreiben müssen, während andere diese Zeit schon dezidiert für die Abiturvorbereitung nutzen können. Hierdurch entstehen unter anderem für die Schülerinnen und Schüler, die bereits in der Zeit vor den flächendeckenden Schulschließungen aufgrund von Quarantänemaßnahmen den Unterricht nicht besuchen konnten, signifikante Nachteile.

Die verbleibenden vier Tage zwischen dem Notenschluss (15.05.) und der ersten Abiturprüfung (20.05.) sind in keinem Fall ausreichend und stehen in keinem Verhältnis zu der ursprünglich geplanten Abiturvorbereitungszeit (04.04.-29.04.), die bei vergangenen Abiturjahrgängen stets zugesichert wurde.

Die nun vergangenen fünf Wochen sind in keinem Fall mit einer Abiturvorbereitung im klassischen Sinne zu vergleichen. Besonders die sozialen und technischen Unterschiede in einzelnen Haushalten und Schulen sorgen dafür, dass die entstandenen Differenzen nur durch Präsenzunterricht aufgeholt werden können. Es ist in Zeiten von Pandemie, persönlichen Ängsten und Planungsunsicherheit nicht vertretbar, zu verlangen, dass Schülerinnen und Schüler sich angemessen im Selbststudium auf die Abiturprüfungen vorbereiten können. Die Tatsache, dass parallel eine Vorbereitung auf die noch anstehenden Klausuren nötig ist, vergrößert diese Belastung immens.

Eine Öffnung der Schulen für die Abiturientinnen und Abiturienten zum 27.04. kann trotz der noch bis zum 03.05. geltenden strengen Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung möglich sein, wenn alle vom RKI vorgesehenen Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

Wir stellen uns explizit nicht gegen die geplanten Schulöffnungen oder die Durchführung eines Abiturs im klassischen Sinne. Wir wollen nicht den Weg zum Abitur, für den wir uns bereits zu Beginn der Oberstufe entschieden haben, ändern. Wir wollen ihn lediglich wie die Abiturientinnen und Abiturienten vor uns fair beschreiten. Die bereits dargelegten, erheblichen Nachteile, können nur durch eine weitere Verschiebung des Abiturs ausgeglichen werden.

Wir bitten Sie deshalb um eine Festlegung des Beginns der Abiturprüfungen auf einen Termin nach den Pfingstferien. So können in den kommenden Wochen Fragen geklärt, die fehlenden Klausuren geschrieben und entstandene Differenzen kompensiert werden. Ferner ermöglicht die so gegebene konzentrierte Lernphase in den Pfingstferien eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Abiturjahrgänge und ein faires bayrisches Abitur 2020.

Wir unterfränkische Abiturientinnen und Abiturienten bitten Sie, die von uns aufgezeigten Argumente und Lösungsvorschläge bei Ihren weiteren Planungen zu berücksichtigen und bestehen auf die uns versprochene Fairness. Dieser Bitte schließen sich die Bezirke Niederbayern, Schwaben und die Oberpfalz an. Wir alle sind dankbar für jegliche Bemühungen des Ministeriums, welche in diese Richtung gehen – wohlwissend unter welchem Druck Entscheidungen momentan getroffen werden müssen.

Um diesen fairen Entscheidungsprozess mitzutragen ist es unumgänglich, dass die gymnasialen Vertreter der Bezirke durch einen runden Tisch miteinbezogen werden. Nur so können die unterschiedlichen Stimmen der Regionen und der einzelnen Schulen angemessen gehört werden.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und den Dialog mit Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Pauline Behnke, Bezirksschülersprecherin Gymn. Unterfranken
Jan Knes-Wiersma, Bezirksschülersprecher Gymn. Unterfranken
Robin Zang für die unterfränkischen Abiturient*innen

unterstützt durch

Adolf Stögbauer und Leonie Brandl, Bezirksschülersprecher Gymn. Niederbayern

Marie Fischer und Karen Kuntze, Bezirksschülersprecherinnen Gymn. Schwaben

Evangelina Tsakou und Paul Höpfner, Bezirksschülersprecher Gymn. Oberpfalz



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